Funktionen und Algebra · Ratgeber von Eqora

Umkehrfunktion bestimmen: Zurück statt Kehrwert

Mache die Rechenschritte rückgängig, prüfe die Eindeutigkeit und tausche Definitions- und Wertebereich. Kontrolliere anschließend beide Wege.

Erwachsene Schwarze Frau mit kurzen Locken und pflaumenfarbener Arbeitskleidung zieht eine ockerfarbene Schnur durch apricotfarbene Stoffschlaufen zurück

Du sollst zu f(x) = 3x − 6 die Umkehrfunktion bestimmen. Bedeutet die hochgestellte minus eins, dass du 1/(3x − 6) schreiben musst? Nein. Die Umkehrfunktion rekonstruiert die Eingabe, aus der ein Funktionswert entstanden ist. Die ursprüngliche Vorschrift verdreifacht die Eingabe und zieht danach sechs ab. Rückwärts addierst du zuerst sechs und teilst anschließend durch drei. Deshalb lautet die Umkehrfunktion f⁻¹(x) = (x + 6)/3, nicht der Kehrwert des ursprünglichen Terms.

Die Rechnung allein reicht jedoch nicht. Zu jedem Wert aus dem ursprünglichen Wertebereich muss die Umkehrfunktion genau eine zulässige Eingabe zurückgeben. Beim Quadrieren geht die Information über das Vorzeichen verloren; ein eingeschränkter Definitionsbereich kann die Eindeutigkeit wiederherstellen. Wir entwickeln die Vorschrift, klären die Schreibweise, wählen bei einer Parabel den passenden Zweig und prüfen beide Verkettungen. Dafür genügen Papier und Stift; du bist nicht auf einen Löser angewiesen.

Eqora veröffentlicht diesen Leitfaden als Lernhilfe, nicht als Garantie für richtige Ergebnisse oder Noten und nicht als Ersatz für eigene Prüfungsarbeit. Kontrolliere die vollständige Aufgabe, die Notation, die Definitionsbereiche und die Annahmen. Die Fotos aus der Segelwerkstatt veranschaulichen das Rückgängigmachen und die Wahl eines Weges. Sie sind keine Funktionsgraphen oder Zahlenbelege. Entscheidend bleiben die mathematischen Angaben im Text.

Umkehrfunktion bestimmen: die Eingabe zurückgewinnen

Verfolge zunächst einen konkreten Weg durch f. Die Eingabe fünf liefert f(5) = 3 × 5 − 6 = 9. Die Umkehrfunktion nimmt diesen Funktionswert neun als eigene Eingabe und liefert wieder fünf: f⁻¹(9) = (9 + 6)/3 = 5. Die Rollen der Zahlen werden vertauscht, nicht die Zahlen selbst. Zum Punkt (5, 9) des ursprünglichen Graphen gehört daher der Punkt (9, 5) des Graphen der Umkehrfunktion.

Der Mathematikkurs der Universität Stuttgart beschreibt die Umkehrung durch y = f(x) genau dann, wenn x = f⁻¹(y). Die zugehörigen Hin- und Rückwege lauten f⁻¹(f(x)) = x und f(f⁻¹(y)) = y auf den jeweils zulässigen Bereichen. Die innere Funktion wird zuerst ausgeführt. Der erste Weg beginnt mit einer ursprünglichen Eingabe, der zweite mit einem ursprünglichen Funktionswert. Unterschiedliche Buchstaben machen diese beiden Rollen sichtbar.

Halte die Schreibweise mit ihrer Bedeutung zusammen. f⁻¹(x) bezeichnet den Wert der Umkehrfunktion an der Stelle x. Dagegen bedeutet 1/f(x), dass eins durch den Funktionswert geteilt wird. In unserem Beispiel ist f⁻¹(9) gleich fünf, während 1/f(9) = 1/21 gilt. Das beantwortet zwei verschiedene Fragen. Bei einer gewöhnlichen Zahl bedeutet ein negativer Exponent tatsächlich einen Kehrwert; im Namen der Umkehrfunktion gilt eine andere Konvention.

Mache den letzten Rechenschritt zuerst rückgängig

Bei f(x) = 3x − 6 lautet die Vorwärtsfolge: mit drei multiplizieren, dann sechs abziehen. Mache zuerst das Abziehen durch Addieren rückgängig und anschließend das Multiplizieren durch Teilen. Die Vorschrift erst sechs abziehen und danach mit drei multiplizieren beschreibt einen anderen Weg. Vergleiche auch (x + 6)/3 mit x/3 + 6: Der zweite Term addiert sechs erst nach dem Teilen und hebt den ursprünglichen Schritt deshalb nicht korrekt auf.

Die Algebra hält die Reihenfolge fest. Schreibe y = 3x − 6. Addiere auf beiden Seiten sechs: y + 6 = 3x. Teile beide Seiten durch drei: x = (y + 6)/3. Nun ist die ursprüngliche Eingabe x durch den ursprünglichen Funktionswert y ausgedrückt. Benenne diese neue Eingabe anschließend x und schreibe f⁻¹(x) = (x + 6)/3. Das Umbenennen verändert keine Zahl und führt keine weitere Rechenoperation aus.

Du kannst auch zuerst x und y vertauschen und dann x = 3y − 6 nach y auflösen. Beide Vorgehensweisen ergeben dieselbe Vorschrift. Wähle eine davon und behalte die Rollen konsequent bei; ein Wechsel mitten in der Rechnung sorgt leicht für Verwirrung. Die Klammer ist wichtig: Die gesamte Summe x + 6 wird durch drei geteilt. Sprich die Rückwärtsschritte aus und vergleiche sie mit dem aufgeschriebenen Term.

Nahaufnahme erwachsener Hände, die eine ockerfarbene Schnur durch drei apricotfarbene Segeltuchschlaufen auf einer hellen Holzbank zurückziehen
Eine Folge wird vom letzten Schritt zum ersten rückgängig gemacht. Die Schnur dient nur als anschaulicher Vergleich.

Prüfe, ob ein Funktionswert nur eine Eingabe meint

Betrachte q(x) = x² auf allen reellen Zahlen. Sowohl q(3) als auch q(−3) ergibt neun. Wenn du neun erhältst, kannst du nicht entscheiden, welche der beiden Eingaben zurückgegeben werden soll. Der Ausdruck ±√x liefert für positive x zwei Kandidaten, aber keine eindeutige Funktionsvorschrift. Eine einzelne Gleichung darf zwei Lösungen haben. Eine Umkehrfunktion muss dagegen jeder erlaubten Eingabe genau einen Wert zuordnen.

Gesucht ist die Eigenschaft injektiv: Verschiedene zulässige Eingaben erzeugen verschiedene Funktionswerte. Im Graphen bedeutet das, dass jede waagerechte Gerade den Graphen höchstens einmal schneidet. Der Test mit senkrechten Geraden beantwortet eine andere Frage, nämlich ob überhaupt ein Funktionsgraph vorliegt. Die vollständige Parabel besteht den senkrechten Test, scheitert aber am waagerechten, weil beide Seiten denselben Funktionswert erreichen können.

Ein einziges Gegenbeispiel genügt, um fehlende Injektivität zu zeigen: zwei verschiedene erlaubte Eingaben mit gleichem Ergebnis. Ein gelungener Rückweg für eine Zahl beweist umgekehrt noch nicht die Eindeutigkeit überall. Eine auf einem Intervall streng steigende oder streng fallende Funktion ist dort injektiv. Nenne dieses Intervall ausdrücklich. Ersetze einen uneingeschränkten Definitionsbereich nicht stillschweigend durch den Zweig, dessen Rechnung dir gerade einfacher erscheint.

Draufsicht auf eine ockerfarbene und eine pflaumenfarbene Schnur, die durch dieselbe breite apricotfarbene Stoffschlaufe laufen
Zwei Ausgangswege können dasselbe Ziel erreichen. Das Foto veranschaulicht fehlende Eindeutigkeit, keinen Graphen.

Definitionsbereich und Wertebereich tauschen ihre Rollen

Der Definitionsbereich enthält die erlaubten Eingaben; der Wertebereich enthält die tatsächlich erreichten Funktionswerte. Die Umkehrfunktion beginnt mit diesen erreichten Werten und gibt die ursprünglichen Eingaben zurück. Ihr Definitionsbereich ist daher der ursprüngliche Wertebereich, ihr Wertebereich der ursprüngliche Definitionsbereich. Unterscheide die tatsächliche Wertemenge von einer eventuell größeren angegebenen Zielmenge. Für eine Umkehrfunktion auf der ganzen Zielmenge muss auch jeder Zielwert erreicht werden: Das ist die surjektive Seite der Bijektivität.

Beschränke f(x) = 3x − 6 auf 0 ≤ x ≤ 4. Dann reicht der Wertebereich von −6 bis 6. Die Umkehrvorschrift bleibt (x + 6)/3, hat aber den Definitionsbereich [−6, 6] und den Wertebereich [0, 4]. Zwar kannst du den Term rechnerisch bei zwölf auswerten. Zwölf gehört jedoch nicht zum festgelegten Definitionsbereich dieser Umkehrfunktion. Der größtmögliche rechnerische Bereich eines Terms überschreibt keine ausdrückliche Einschränkung in der Aufgabe.

Die Spiegelung an y = x hilft beim Kontrollieren: Aus (0, −6) wird (−6, 0), aus (4, 6) wird (6, 4). Es werden Koordinaten vertauscht, nicht Vorzeichen geändert. Unser Leitfaden zum Lesen von Gleichungsgraphen erläutert die Rollen der Eingabe und des zugehörigen Funktionswerts. Übernimm beim Vertauschen auch die eingeschlossenen Randpunkte. Eine geschlossene Intervallgrenze verschwindet nicht, nur weil dieselbe Zahl nun als Eingabe statt als Ausgabe verwendet wird.

Bei einer Parabel entscheidet der erlaubte Zweig

Sei h(x) = (x − 2)² + 1 mit der Einschränkung x ≥ 2. Der kleinste Funktionswert ist eins; von dort steigt die Funktion streng. Ihr Wertebereich lautet [1, ∞). Löse y − 1 = (x − 2)² nach x auf. Wegen x − 2 ≥ 0 gilt x − 2 = √(y − 1). Somit ist h⁻¹(x) = 2 + √(x − 1) für x ≥ 1. Das Pluszeichen folgt aus dem Definitionsbereich, nicht aus einer allgemeinen Regel für Umkehrfunktionen.

Wäre stattdessen x ≤ 2 vorgeschrieben, ergäbe derselbe ursprüngliche Term die Umkehrfunktion h⁻¹(x) = 2 − √(x − 1), wieder für x ≥ 1. Jetzt ist x − 2 nichtpositiv; der Minuszweig liefert die erlaubte ursprüngliche Eingabe. Für die neue Eingabe zehn liefert der Pluszweig fünf und der Minuszweig minus eins. Nach Abziehen von zwei und Quadrieren führen beide zu neun, gehören aber zu unterschiedlichen ursprünglichen Definitionsbereichen.

Ohne Einschränkung besitzt die ganze Parabel auf ihrem Wertebereich keine Umkehrfunktion. Sollst du selbst einen passenden Definitionsbereich wählen, sind beide vollständigen Seiten mögliche Entscheidungen. Gib die gewählte Einschränkung zusammen mit der Umkehrfunktion an. Ist ein Bereich vorgegeben, halte ihn ein. Einfach das Zeichen ± durch plus zu ersetzen, ohne die Wahl zu begründen, kann ein ordentlich aussehendes Ergebnis für die falsche Funktion erzeugen.

Eine erwachsene Hand hebt eine Falte apricotfarbenen Segeltuchs und legt eine pflaumenfarbene Stoffbahn frei, während die andere Falte bedeckt bleibt
Die Wahl eines Zweigs legt die erlaubten ursprünglichen Eingaben fest und gehört zur Definition der Funktion.

Kontrolliere beide Verkettungen mit ihren Bereichen

Für das lineare Beispiel gilt f⁻¹(f(x)) = (3x − 6 + 6)/3 = x. In der anderen Richtung ergibt f(f⁻¹(x)) = 3((x + 6)/3) − 6 = x. Jede Gleichheit muss auf dem jeweiligen Ausgangsbereich gelten. Prüfe bei eingeschränkten Bereichen zuerst, ob das Ergebnis der inneren Funktion überhaupt eine erlaubte Eingabe der äußeren ist. Formales Kürzen macht eine außerhalb des Bereichs liegende Verkettung nicht nachträglich gültig.

Bei der Parabel mit x ≥ 2 lautet die erste Kontrolle h⁻¹(h(x)) = 2 + √((x − 2)²) = 2 + |x − 2| = x. Der letzte Schritt stimmt genau deshalb, weil x − 2 ≥ 0 gilt. In Gegenrichtung erhältst du h(h⁻¹(y)) = (√(y − 1))² + 1 = y für y ≥ 1. Der Betrag in der ersten Rechnung ist unverzichtbar: Allgemein gilt √(a²) = |a|, nicht automatisch a.

Eine Zahlenprobe findet Rechenfehler schnell: h(5) = 10 und h⁻¹(10) = 5. Sie ergänzt jedoch die Begründung über den Definitionsbereich, statt sie zu ersetzen. Unser Leitfaden zur eigenständigen Ergebniskontrolle zeigt, wie du einen Kandidaten an den ursprünglichen Bedingungen misst. Prüfe auch den Randpunkt: h(2) = 1 und h⁻¹(1) = 2. Gerade dort fallen ein vergessenes Gleichheitszeichen oder ein falscher Wurzelzweig häufig auf.

Bei einem Bruchterm bleiben zwei Ausschlüsse wichtig

Versuche r(x) = (2x + 1)/(x − 3) mit x ≠ 3. Aus y(x − 3) = 2x + 1 folgt durch Zusammenfassen x(y − 2) = 3y + 1. Damit ist x = (3y + 1)/(y − 2). Die Umkehrfunktion lautet also r⁻¹(x) = (3x + 1)/(x − 2) mit x ≠ 2. Verliere beim Entdecken des neuen Ausschlusses zwei nicht den ursprünglichen Ausschluss drei.

Warum kann die ursprüngliche Funktion niemals zwei liefern? Die Gleichung (2x + 1)/(x − 3) = 2 würde 2x + 1 = 2x − 6 verlangen, einen Widerspruch. Umgekehrt liefert jedes y ≠ 2 die angegebene Eingabe. Diese kann nicht drei sein: 3y + 1 = 3(y − 2) würde 1 = −6 ergeben. Der Wertebereich ist deshalb die Menge aller reellen Zahlen außer zwei. Damit ist auch der Definitionsbereich der Umkehrfunktion begründet.

Prüfe r(4) = 9 und r⁻¹(9) = 4 und anschließend die symbolischen Verkettungen auf den zulässigen Mengen. Das Multiplizieren mit einem Nenner setzt voraus, dass dieser nicht null ist. Es erlaubt nicht, später durch einen ausgeschlossenen Wert zu teilen. Notiere die Ausschlüsse neben der Rechnung. Dieses Beispiel zeigt außerdem, weshalb bloßes Vertauschen von Zahlen im Term keine zuverlässige Alternative zum Auflösen der Eingabe-Ausgabe-Gleichung ist.

Bestimme eine neue Umkehrfunktion selbst

Bearbeite p(x) = 5 − 2x auf −1 ≤ x ≤ 3 zunächst allein. Bestimme den Wertebereich, die Umkehrvorschrift und deren Definitionsbereich, bevor du weiterliest. Prüfe anschließend beide Randpunkte und eine Stelle dazwischen. Dieses fallende Beispiel verändert bewusst Vorzeichen und Intervall. Die frühere Vorschrift mit dem Faktor drei auswendig zu übernehmen hilft nicht; du musst die neue Beziehung zwischen Eingabe und Funktionswert erkennen.

An den Randpunkten gilt p(−1) = 7 und p(3) = −1. Weil die Funktion streng fällt, ist ihr Wertebereich [−1, 7], mit den Intervallgrenzen in aufsteigender Reihenfolge. Löse y = 5 − 2x nach x auf: x = (5 − y)/2. Damit lautet p⁻¹(x) = (5 − x)/2 auf [−1, 7], mit Wertebereich [−1, 3]. Als innere Probe dient p(1) = 3 und p⁻¹(3) = 1.

Erkläre zum Abschluss, weshalb die Umkehrung eindeutig ist, welche Menge ihre Eingaben liefert und wie die Rechenschritte die ursprüngliche Reihenfolge rückgängig machen. Ordne einen Fehler gezielt zu: Schreibweise, Rechnung, Eindeutigkeit oder Definitionsbereich? Daraus entsteht eine konkrete Aufgabe für deinen nächsten Versuch. Eine Umkehrfunktion ist vollständig, wenn Vorschrift und zulässige Mengen zusammenpassen, nicht schon dann, wenn du nur die Buchstaben ausgetauscht hast.

Erwachsener ostasiatischer Mann in einem lavendelfarbenen Hemd schreibt neben Stoffschlaufen und aufgerollter Schnur in ein leeres Heft in einer Segelwerkstatt
Eine neue fallende Funktion prüft die Methode, ohne dass du von einer angezeigten Lösung abhängig bist.

Gut zu wissen

Fragen zu diesem Ratgeber

Kann eine Funktion ihre eigene Umkehrfunktion sein?

Ja. f(x) = 1/x auf den reellen Zahlen ohne null ist ihre eigene Umkehrfunktion: Zweimaliges Anwenden liefert x zurück. Das macht Umkehrfunktion und Kehrwert nicht gleichbedeutend. Hier ist der Kehrwert des Funktionswerts f(x) gleich x, während die Umkehrfunktion weiterhin f⁻¹(x) = 1/x lautet.